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Aktion gegen die Grauzone beim Optionsschein-Handel

Erfahrungsberichte von Lesern

E-Mail von K. H.  *

Hiermit möchte ich Ihnen ein weiteren Mißbrauch der Grauzone beim Optionsscheinhandel seitens des Emittenten anzeigen. Eine Beschwerde an das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel ist in Vorbereitung.

Ende letzter Woche habe ich mich in Puts engagiert. Am 13.02.2002 um 18:23 Uhr kaufte ich bei der Société Générale den Optionsschein (WKN 711587) zu 0,54 Euro Briefkurs (0,53 Euro Geldkurs) ein. Einen Tag später am 14.02.2002 kaufte ich um 12:10 den gleichen Schein zu 0,45 Euro Briefkurs (0,44 Euro Geldkurs) nach. Bisher hatte ich mit einem PUT der BNP Paribas (WKN 596289) sehr erfolgreich gehandelt, doch aufgrund der nun kurzen Restlaufzeit entschied ich mich für den Optionsschein der Société Générale, welcher sieben Tage länger läuft. Die Kennzahlen sind ansonsten ziemlich identisch, das Omega lag durch die etwas längere Laufzeit bei der Société Générale mit -17,20 gegenüber -18,80 bei der BNP Paribas natürlich etwas niedriger.

Die erste böse Überraschung bemerkte ich praktisch über Nacht. Während bei der BNP Paribas der Spread konstant blieb, wuchs er bei der Société Generale zum Handelsschluß in Europa von 0,01 Euro auf 0,04 Euro an. Eine Steigerung um 400%!!!
Zwar kann man bei der Société Générale, wie bei den meisten Emittenten, die Optionen bis 22:00 Handeln doch der große Spread stellt einen großen Nachteil gegenüber dem regulären Handel dar. Was nützt mir also ein außerbörslicher Handel wenn ich hier nur abkassiert werde!?

Aber damit nicht genug. In Amerika lief alles wie erwartet, so daß ich mich glücklicherweise nicht gezwungen sah, die Optionsscheine zu veräußern. Der DAX schloß an diesem 14ten Februar bei 4973 Punkten, der Optionsschein der Société Générale bei 0,50 Euro Briefkurs zu 0,46 Euro Geldkurs, der Schein der BNP Paribas schloß bei 0,84 Euro/ 0,82 Euro.

Am nächsten Tag eröffnete der DAX schwach, um 10:11 notierte er bei 4958 Punkten, 20 Punkte niedriger als am Vortag. Eigentlich gut für einen Put aber nicht bei der Société Générale, dessen Optionsschein um 8% zum Vortageskurs verlor. So ging es den ganzen Vormittag, erst als der DAX gegen 16:00 richtig einbrach und einen Punktestand von 4902 aufwies, schlug der Schein die Richtung ein, die man von einem PUT erwarten sollte.
Doch schon beim ersten Erholungsversuch, der DAX war gerade einmal um 4 Punkte gestiegen, gab der Optionsschein der Société Générale auf mysteriöse Weise wieder stark nach.

Die Société Générale ist beim Stellen der Kurse alles andere als fair, man könnte ihr sogar versuchten Betrug unterstellen!!!

Kursverlauf:
Datum/ UhrzeitDax IndexSociété Général Put (711587)BNP Paribas Put (596289)
14.2./ 20 (22) Uhr49730,50 Euro0,84 Euro
15.2./ 10:10 Uhr49530,46 Euro/ -8%0,83 Euro/ -1,2%
15.2./ 15:45 Uhr49260,51 Euro/ +2%0,91 Euro/ +8,3%
15.2./ 16:00 Uhr49020,56 Euro/ +12%0,97 Euro/ +15,50%
15.2./ 16:15 Uhr49060,54 Euro/ +8%0,96 Euro/ +14,30%
Die Kurse sind Briefkurse.

Anm. d. Redaktion:

Die Schilderung und die uns zugesandten Unterlagen zeigen einen bereits erfahrenen Optionsschein-Trader. Und trotz dieser Professionalität des Traders wird mit diesem Fall wieder einmal deutlich, wie abhängig man im Optionsscheinmarkt von den Emittenten ist!

Das Anziehen des Spreads um mehrere hundert Prozent dürfte für den OS-Trader nichts besonders Neues sein (s.a.: Spread bei IBM-Put um 700% erhöht (UBS Warburg) und Optionsschein-Spread ausserbörslich vervierfacht (Société Générale)). Doch das auch die Kursverläufe immer wieder völlig unberechenbar selbst in Kenntnis der wichtigsten dynamischen Kennzahlen verlaufen, läßt das Geschäft immer wieder mal zum Roulette werden.

Der oben geschilderte Fall ist zudem kein Einzelerlebnis. Immer wieder erreichen uns E-Mails mit ähnlichen Beispielen. Die Gründe für das Verhalten der Emittenten dürften dabei unterschiedlichster Natur sein. Nur selten weichen die Händler im persönlichen Gespräch von den Standardphrasen zur Begründung wie "implizite Volatilität" o.ä. ab. Was aber steckt hinter den so unüblichen Kursverläufen und wo liegt die Motivation der Emittenten so zu handeln?

Wir können natürlich nur mutmaßen, aber ein erst kürzlich abgehaltener öffentlicher Online-Chat mit einem Mitarbeiter der Société Générale läßt da vielleicht tiefer blicken. So sichern sich die Händler nach den Aussagen des Mitarbeiters nur ab, "wenn sich die Transaktion lohnt". Vielleicht erklärt sich so auch der ein oder andere rasante Anstieg des Intraday-Spreads trotz liquiden Handels des Underlyings. Dann kann man annehmen, daß der "naked" Händler in diesem Moment mit seiner Einschätzung falsch lag. (Noch "kritischere" Fragen wurden bei dem Online-Chat trotz ausreichend verbleibender Chatzeit übrigens gar nicht vom Moderator zugelassen).

Der Tatsache, daß Spreads außerbörslich deutlich erhöht werden, kann man in diesem nicht regulierten und nicht überwachten Markt (Optionsscheine, wie sie in Deutschland gehandelt werden, sind in den USA übrigens überhaupt nicht erlaubt) kaum entgehen. Doch der Markt ist breit genug - es gibt einige Emittenten, die auch außerbörslich fair bleiben und das angebliche Risiko der nicht vorhandenen Liquidität nicht komplett auf den Kunden abschieben.

Im übrigen haben wir jetzt schon häufiger beim Direkthandel/ außerbörslichern Handel mit der Société Générale über deren 100%ige Tochter Fimatex festgestellt, daß trotz Unterschreitung der maximalen Stückzahl die Order in mehrere Ausführungen aufgteilt wurde. Bringt ja immerhin mindestens 8.70 Euro für jede Teilausführung für Fimatex. Honi soit qui mal y pense!

Fazit:

Trader, die häufig auf Indizes handeln, sollten per se in den Futures- und Optionenmarkt wechseln. Diese Märkte sind deutlich fairer und liquider und man muß sich nicht mit der undurchsichtigen Preisstellung von Emittenten herumschlagen.
Ansonsten kann man nur den Tip geben, den der Trader im oben geschilderten Fall als Konsequenz zieht - einfach nicht mehr mit dem Emittenten, der sich solche Spielchen erlaubt, zu handeln. Es gibt genug Anbieter im Markt und vor allen auf liquide Aktien gibt es eine Menge von unterschiedlichen Anbietern. Der Markt wird dann die unsauber arbeitenden Emittenten von sich aus bereinigen.

Senden Sie uns bitte weiter Ihre Erlebnisse - die bisherige Resonanz unserer Aktion hat gezeigt, daß einige OS-Anbieter bereits sehr viel vorsichtiger geworden sind.

Haben Sie auch schon Probleme beim Direkthandel mit Emittenten gehabt und wollen Ihrem Ärger Luft machen? Senden Sie uns einfach eine info@tradewire.de!

* Name/ E-Mail-Adresse der Redaktion bekannt

tradewire behält sich Kürzungen der geschilderten Fälle ausdrücklich vor.

Übersichtsseite "Aktion gegen die Grauzone beim Optionsschein-Handel"

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