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Pressespiegel

Beitrag in der BILD am SONNTAG vom 25.04.99, Seite 38/ 39

Wenn eine Hausfrau mit Aktien spekuliert...
...verdient sie 5000 Mark im Monat

In ihrem früheren Leben arbeitete Elke Köster (33) als Unternehmensberaterin. Es war eine stressige Zeit für die Betriebswirtin aus Leipzig: "Immer mußte ich mich um Aufträge bemühen, ständig hetzte ich von Termin zu Termin."
Dann kam Söhnchen Philipp. Damit änderte sich das Leben von Elke Köster auf einschneidende Art: Erstens wurde sie Hausfrau - und zweitens verdient sie mehr Geld als vorher.
Elke Köster gehört zu den knapp hundert Menschen in Deutschland, die einer besonderen Tätigkeit nachgehen: Sie arbeitet als sogenannte Daytraderin. Das heißt: Sie spekuliert täglich, sogar stündlich im Internet mit Aktien - auf eigene Rechnung, mit eigenem Risiko und derzeit mit hohem Gewinn.
"Es gab schon Monate, in denen ich 5000 Mark verdient habe." Eingesetzt hat sie dafür gerade mal 3000 Mark. Und wann arbeitet sie dafür? "Wenn mein Sohn in der Kindertagesstätte ist, schalte ich den Computer ein."
In Elke Kösters Arbeitszimmer läuft zudem ein Fernseher mit den neuesten Wirtschaftsnachrichten, außerdem klingelt das Telefon im Minutenabstand - "heiße Tips" machen die Runde. Über Computer werden dann die erfolgversprechenden Aktien gekauft (siehe Bericht: "Was ist eigentlich 'Daytrading'?" auf der nächsten Seite).
Was die Aktienhändler ("Broker") der Wall Street im großen machen - es geschieht auch in dem zwölf Quadratmeter großen Arbeitszimmer von Elke Köster in einer Leipziger Altbauwohnung. Mal werden Aktien einer russischen Erdölfirma geordert ("verbesserte Gewinnerwartungen"), dann wird wieder in die deutsche Chemie investiert ("Übernahmegerüchte lassen die Kurse steigen"). Und wenn die Kurse erst mal explodiert sind - schnell alles verkaufen und das ganze Geld einsacken.
Klingt einfach und ein bißchen nach Zockerei, doch genau damit wollen die deutschen Daytrader nichts am Hut haben. Markus Ulsaß (32) aus Hamburg, einer der ersten deutschen Daytrader, betreibt den Aktienhandel mit der Akribie eines Börsenprofis. "Es ist ein harter Job", so Ulsaß, "aus flimmernden Zahlenkolonnen am Computer und Tausenden von Unternehmensnachrichten die Rosinen herauszupicken." Wichtig sei vor allem: ."Keine Angst - und keine Gier!"
Für den normalen Sparbuchanleger (immer noch setzen 50 Prozent der Deutschen darauf) ist diese Form der Börsenspekulation deshalb wohl nichts. Robert Schmidt (27), ein Informatiker aus Stuttgart, der vor Arbeitsbeginn einkauft und nach Feierabend abrechnet, hat schon schwarze Stunden erlebt. Schmidt: "Ich hatte schon einmal 12 000 Mark Monats-Verlust."
Doch wo Schatten ist, ist auch Licht. "Wenig später hatte ich genausoviel verdient." Das Fazit des Informatikers: "Gewinn und Verlust liegen beim Traden ganz eng beieinander. Aber am Ende lohnt es sich immer."
Erfunden wurde Daytrading in den Vereinigten Staaten. Dort ist es schon seit Jahren möglich, wie die Börsenprofis zu spekulieren. Da gibt es sogar öffentliche Trading-Räume, in denen die technische Ausrüstung für ein paar Dollar zur Verfügung gestellt wird. Die meisten Hobby-Spekulanten betreiben ihr Geschäft allerdings von zu Hause aus - über den eigenen Computer.
Der PC ist auch für Robert Ackermann (34) aus Donaustauf das wichtigste Arbeitsgerät. Der ehemalige Anlageberater aus Bayern stieg vor einem Jahr um: "Da habe ich meine erste Aktie aus dem Neuen Markt gekauft."
Der Neue Markt ist der Teil der Börse, in dem die Aktien von wachstumsstarken Unternehmen gehandelt werden. Die meisten stammen aus der High-Tech-Branche. Wegen der hohen Kurssteigerungen ist der Neue Markt bei Spekulanten außerordentlich beliebt. Diese Erfahrung machte auch Robert Ackermann: "Ich machte gleich am ersten Tag 80 Mark Gewinn." Noch nicht richtig viel, aber immerhin ein Anfang.
Heute verdient Ackermann mit Aktien aus dem Neuen Markt, aber auch mit Wertpapieren aus Rußland, Asien und den USA sein Geld - und er kann seine Familie damit ernähren.
Die meisten Aktien handelt er am selben Tag. "Früh kaufen und kurz darauf wieder verkaufen - das ist meine Devise." So hat er einmal 8000 Mark innerhalb weniger Stunden verdient. Es gab aber auch schon mal Tage, an denen 6000 Mark Miese zu verbuchen waren.
Ein Leben als Spekulant - für Ackermann ein Dasein, das ihm einen Heidenspaß macht. "Ich bin frei, ich bin mein eigener Herr. Ich habe keine Termine, keinen Streß, und die Kinder finden toll, daß der Papa den ganzen Tag zu Hause ist."
Doch den Daytradern droht neben den finanziellen Risiken eine ganz andere Gefahr. Robert Schmidt: "Auch wenn es keine Zockerei ist - man kann davon süchtig werden."

Was ist eigentlich "Daytrading" ?
Aktienkurse steigen oder fallen nicht nur von Tag zu Tag, sie verändern sich oft innerhalb von Minuten. Diese Tagesschwankungen machen sich die "Daytrader" (Tageshändler) zunutze. Sie kaufen Aktien und andere Wertpapiere zum aktuellen Kurs - um sie oft schon nach wenigen Stunden wieder zu verkaufen.
Wer so spekulieren will, benötigt einen Computer mit Internet-Anschluß und ein Konto bei einer Direktbank - nur Comdirect und Consors ermöglichen allerdings das sekundenschnelle Handeln. Alle anderen Banken bieten das normale Online-Banking, das die Kauforder innerhalb eines Tages ausführt. Für echte Daytrader ist das zu langsam.
Wer Aktiengeschäfte machen will, sollte sich vorher bei Banken eingehend informieren. Damit die Anleger sich nicht ruinieren, werden sie von den Banken eingestuft. Im Internet gibt es unter der Adresse http://www.tradewire.de aktuelle Infos für Daytrader.

Artikel © Copyright BILD am SONNTAG, Axel-Springer-Verlag


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